Einstufung

WSI wirbt damit, dass man dort genau das lernen würde, was man brauche. Das klang schon mal gut, aber eigentlich wollte ich viel mehr. Im Grunde 'brauche' ich English fast gar nicht, aber es macht mir Spaß und ich kann es gut gebrauchen. Deshalb lerne ich gern alles, was mir geboten wird, ob ich das nun brauche oder nicht, es ist eben ein Hobby.

Ich ging also zum einzigen gefundenen Anbieter, der mir Kurse jenseits Cambridge Advanced in Aussicht gestellt hat. Es gab am Anfang ein langes ausführliches Gespräch mit Protokoll zu wirklich allem, was mit meinem Interesse und meinen Vorkenntnissen in Englisch zu tun haben könnte: Der Bearbeiter schrieb sich auf, dass ich

  • an meinem Englisch seit 30 Jahren arbeite,
  • einen Monat auf der Sprachschule in London verbracht habe,
  • monatelang allein in englischsprachiger Umgebung gelebt und gearbeitet habe,
  • mich aktuell im oberen Mittelfeld des Spracherwerbs sehe,
  • mich für den Kurs aus privaten und dienstlichen Gründen sowie zum Zwecke einer Prüfung anmelde,
  • Cambridge Advanced bereits abgelegt habe und Cambridge Proficiency anpeile,
  • mein Lernziel auf einer Skala von 1-20 bei 21 sehe (ja, ich hatte richtig gute Laune!),
  • gelegentlich PC-Schulungen in Englisch abhalte, deren Stil ich gern verbessern wollte, da er etwas zu umgangssprachlich ist

... und noch einiges mehr. Die ganze Unterhaltung wurde wenigstens zur Hälfte in Englisch geführt. Und wie es sich gehört, kam danach der Einstufungstest am Computer. Er dauerte ca. 30 min und kam mir in seinen Fragestellungen etwas merkwürdig vor. Ich habe in meinem Leben sicher eine dreistellige Anzahl von computergestützten Tests abgelegt, aber diese Fragen schienen mir weniger Kenntnisse zu erkunden als irgendwelche anderen Effekte erzielen zu wollen. Naja, ich hab ihn ausgefüllt, aber nicht sonderlich wichtig genommen. Solche Anfangstests sind immer nur eine Richtlinie, in anderen mir bekannten Sprachschulen ist es normal, dass die Teilnehmer sich danach selbst hoch- oder runterstufen, falls sie sich falsch eingeschätzt fühlen.

Mein Bearbeiter starrte dann einen Moment auf das Ergebnis, das ich nicht zu sehen bekam und stellte dann fest, ich wäre 'Waystage'. Dass ich es von dort bis zum höchsten angebotenen Niveau 'Mastery' schaffe, wäre schwierig, aber denkbar. Im Prinzip könne ich wählen zwischen einem regulären Kursschema für ca. 3000 Euro oder 'All you can learn' für ca 2500 Euro. Bei 'All you can learn' läge die Geschwindigkeit des Lernens ganz bei mir, ich könne so schnell und so weit gehen, wie ich in 8 Monaten schaffe.

Ich bin Freiberufler und mein Arbeitspensum ist ganz unterschiedlich. Manchmal habe ich richtig viel zu tun, auch auswärts, manchmal kaum etwas. Feste Kurszeiten sind für mich also schwierig. Der Computer ist für mich sowohl Hobby als auch Broterwerb, Online-Lektionen passen also für mich perfekt. Die sonstigen Aktivitäten wären für mich ziemlich egal und wenn ich eine sprachliche Frage habe, können mir die meine intensiv gepflegten Kontakte nach Australien und ins Vereinigte Königreich auch beantworten. Eine meiner Freundinnen hat sogar eine Lizenz als Englischtrainerin.

Falls ich Probleme mit dem Aufbringen des Kurspreises hätte, könne man mir mit einer Kreditvermittlung zur Seite stehen. Die brauchte ich nicht, aber ob ich mal Kursmaterial sehen kann? Nein, das auf keinen Fall! Das wäre alles ganz geheim und könne nur nach Vertragsschluss und im passenden Niveau erfolgen. Okay, dann eben nicht. Eine Alternative hatte ich nicht gefunden und wenn der Kurs schlecht ist, kann ich ja noch immer vom Vertrag zurücktreten wie sonst auch. Dachte ich und unterschrieb einen Vertrag für 'All you can learn' über 2.518 Euro.

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